Geschichte des Vereins

Bis zum Jahre 1883 ließen die Verbandsstatuten des KV nur einen Studentenverein je Hochschulort zu. Da aber die einzelnen Korporationen immer größer wurden, entschloß man sich zu Teilungen. So entstand 1883 aus der Ottonia die Saxonia-München und 1900 Frisia aus Arminia-Bonn und Bavaria als Tochter der Brisgovia-Freiburg, um die ersten drei Fälle zu nennen. Auch Guestphalia ist durch eine solche Teilung hervorgegangen, und zwar aus dem KStV Askania-Berlin, dem früheren Katholischen Leseverein und Gründungsverein des Verbandes.
Die Rede Alfred Wiesners bei unserer Reaktivierung 1956 gibt uns einen Eindruck von dieser Anfangszeit. Hier wird auch gleich auf das Zustandekommen des Namens unserer Korporation eingegangen:

...um die Jahrhundertwende hatte Askania ca. 100 Aktive und Inaktive. Es ist wohl klar, daß bei dieser großen Zahl ein Korporationsleben unmöglich ist, noch dazu bei der Fluktuation ihrer Mitglieder, die in Berlin damals und auch später bestand. Dazu kam, daß viele KbKb, um die Schönheit Berlins zu genießen, oft erst spät im Semester aktiv wurden. In damaliger Zeit legte die Korporation doch ihren Mitgliedern gegenüber heute viel stärkere Verpflichtungen auf. Mindestens zwei offizielle Veranstaltungen pro Woche, Konvent und Kneipe und ein oder mehrere inoffizielle Exkneipen. An diesen Tagen war der Besuch anderer Lokale streng verboten. Wie sollte bei dieser Menge von Menschen Bekanntschaft und Freundschaft gepflegt werden. So wurde von dem späteren Justizminister Emminger bereits am 30. November 1900 ein Teilungsantrag gestellt, der aber die für erforderlich erklärte 2/3-Mehrheit nicht erhielt.
Am 5. Dezember 1902 wurde dann mit 56 zu 10 Stimmen beschlossen, sechsunddreißig Askanen den Austritt zur Neugründung zu gestatten. Auf dem CC vom 12. Dezember 1902 erfolgte die förmliche Gründung der neuen Korporation. Die Festschrift zum 75-jährigen Bestehen von Askania sagt: Zu Ehren des im Verband so hoch verdienten Westfalenlandes erhielt der neue Verein den Namen Guestphalia mit 42 gegen 27 Stimmen. Seine achtunddreißig Mitglieder setzten sich aus Angehörigen des ganzen Deutschlands zusammen, auch wenn die Westfalen sehr stark darin vertreten waren...
Am 19. 1. 1903 konnte Börger auf einer Kneipe der Korona die freudige Mitteilung machen, daß der Rektor der Universität den schon liebgewordenen Namen genehmigt hatte. Nun stand nichts mehr im Wege, wenn auch das Semester sich dem Ende zuneigte, am 10. Februar den Antrittskommers zu begehen. Hier zeigten sich die Chargierten in dem neuen schmucken Guestphalenwichs. Askanen und Burgunden wurden als liebe Kartellbrüder begrüßt...
Im kommenden Sommersemester war die Zahl der Guestphalen - wie es auch später immer üblich war - geringer. Doch Börger sorgte dafür, daß die äußere Schale von Guestphalia sich verschönte. Das Vereinszimmer im Restaurant Herkules am Bahnhof Börse wurde mit dem Kartellwappen verziert. Der Senior saß auf einem großen, hohen, präsiden Stuhl mit in Leder eingeprägtem Vollwappen. Im übrigen rüstete man sich auf die große Jubelfeier des KV. Auf dem großen Festkommers im Zoologischen Garten am 8. Juni 1903 in Anwesenheit von 100 Chargierten wurde durch den Senior der Askania, Theodor Sonnenschein, Guestphalia publiziert. Er überreichte der Tochterkorporation die von Askania gestiftete Fahne. Der Senior der Burgundia heftete ein prächtiges Fahnenband an. Börger übernahm mit Dank die Fahne und sprach mit erhobener Stimme: »Wir Guestphalen werden mit all unseren Kräften eintreten für die Wahrung und Förderung der hohen Aufgaben und Ziele unseres Verbandes. Schulter an Schulter mit Askania und Burgundia wollen wir kämpfen contra torrentem gemäß dem Wahlspruch, der in goldenen Lettern unser weiß-rotes Banner ziert.

Von der Zeit der Gründung bis etwa 1926 sind so gut wie keine Aufzeichnungen über die Inhaber der Chargen der Aktivitas vorhanden. Auch sind die achtunddreißig Gründungsburschen nicht vollständig bekannt. Überliefert sind zur Zeit nur die Namen folgender späterer Alten Herren:

Die ersten Guestphalen

Prof. Dr. med. Heinrich Börger x (Duisburg), prakt. Arzt Dr. med. Eickel, Oberstudiendirektor Dr. Jean Rill (Offenbach), Nervenarzt Dr. Wilhelm Lackmann (Wolbeck), Dr. med. Anton Rothdauscher (Duisburg), Oberstudienrat Engelbert von Hammel (Coesfeld), Bankdirektor Ferdinand von Hülst (Nordkirchen/Westfalen).